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Highlights 2023

1. Dezember 2023    

Winterthurer Jahrbuch 2023: Deutschintensiv Solinetz Winterthur – wo Geflüchtete mehr als Deutsch lernen

 

Die aktuelle Ausgabe des Winterthurer Jahrbuchs startet mit einem Einblick in unsere Arbeit. Thema des Jahrbuchs 2023 ist Hinfallen, Aufstehen und Weitermachen. Wie Menschen es schaffen, nach Niederlagen aufzustehen, weiterzumachen und trotz schier unüberwindlicher Hürden ihr Ziel zu erreichen, zeigen auch eindrücklich Lebenswege von Kursteilnehmenden von Deutschintensiv Solinetz Winterthur. 

Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Arbeit durch dieses renommierte Medium sichtbar machen und verbreiten können.

Entstanden ist eine Reportage aus dem Innern mit schönen und mit traurigen Geschichten, geschrieben von unserem Vorstandsmitglied und Kursleiter Markus Egli. Die Fotografin Ursula Markus, die immer wieder Themen von Menschen mit Fluchterfahrung thematisiert und 2019 mit dem Liftetime Award der Swiss Photo Academy ausgezeichnet wurde, hat Stimmung und Atmosphäre von Teilnehmenden und Unterrichtenden kongenial eingefangen.

 

Hier lässt sich unser Beitrag herunterladen

 

Wir empfehlen das langlebige Winterthurer Jahrbuch 2023 ausdrücklich auch als Geschenk – nicht nur für Weihnachten!

Winterthurer Jahrbuch 2023

ISBN 978-3-9524858-6-6

erhältlich unter anderem in den Winterthurer Buchhandlungen 

Bestellungen auch möglich unter: winterthurerjahrbuch.ch

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21. Oktober 2023    

DepotFäscht – Tischgespräche und gemeinsames iranisches Znacht

 

Das DepotFäscht war ein zweitägiger Anlass mit einem vielgestaltigen Programm für gross und klein. Ein Ausschnitt aus dem gluschtigen Angebot: offene Türen in Ateliers und Betrieben, Holz biegen, Wagen besichtigen, Schnitzen mit Kindern, Konzerte, Theater, Ausstellungen, Figuren- und Objekteworkshop für Kinder, Video- und Mitwirkinstallation, Performance, Hofmarkt mit lokalen Produkten, Brocki, Bar, Kulinarisches, eine Feuerschale mit Sitzgelegenheiten auf dem Vorplatz.

 

Wir organisierten am 21. Oktober Tischgespräche und ein iranisches Znacht, das Mina und Hadi mit ihrem Team für 130 angemeldete Personen zauberten. Ein ganz herzlicher Dank ans gesamte Kochteam! Wie letztes Jahr stellte uns das Holzlabor für unseren Anlass verdankenswerterweise seine grosszügige Halle zur Verfügung.

 

Unsere Präsidentin, Constanze Schade, begrüsste die Anwesenden und erläuterte sorgsam und charmant, wie der Anlass konzipiert ist und abläuft.

Die Tischgespräche wurden von 15 Solinetz-Teilnehmenden moderiert. Zuerst stellten sich alle Moderator:innen vor. Es war sehr eindrücklich, spannend und bewegend, wie jede Person einen Einblick in ihr Leben, ihre Herkunft, ihren (Bildungs-)Weg und ihren momentanen Alltag vermittelte.

 

Mit Fragen, mitunter auch schmunzelnden, die sie im Voraus zusammengestellt hatten, leiteten die Moderator:innen dann die Gespräche. Eingeladen waren Interessierte, Kursteilnehmende, Freiwillige, Zaungäste, Verweilende. Und sie kamen zahlreich. Bis zu 80 Personen diskutierten lebhaft miteinander und tauschten sich aus. Zum Beispiel über Lieblingsessen, in der Schweiz nicht anerkannte Ausbildungen und was man dagegen unternehmen kann, über Druck und Stress, Freudiges und Schönes, Träume und Visionen, Diskriminierung, Kopftücher, Kreuze und andere Symbole, Frauenrechte und Gleichstellung hierzulande, Kinder, ob Männer nur beim «Bölle schneiden» weinen dürfen, Erwartungen und Hoffnungen.

Bereits während der Tischgespräche überraschte das iranische Kochteam die Tischrunden mit ungesüsstem Tee aus Rosenwasser, Safran und getrockneten Rosenblättern, dazu frische Datteln – ein noch nie gekostetes Gaumengedicht. Ein Mitdiskutierer beschrieb den Anlass so: «Die Vorstellungsrunde war sehr berührend, und die anschliessenden interessanten Tischgespräche waren Nahrung für Herz und Gemüt.»

 

Das iranische Essen von Mina, Hadi und ihrem Team, an dem viele weitere Gäste teilnahmen, war überwältigend. Drei köstlich gewürzte Vorspeisen – gegrillte Auberginen, Tomaten, Knoblauch, Spinat, Zwiebeln, Pfefferminze, Baumnüsse, dazu getrocknete Brotstückchen zum Tunken – servierten sie direkt an die Tische. Dann ging das kulinarische Verwöhnungsprogramm mit Suppe, Hauptgang und Dessert am Büffet weiter – einfach unglaublich. Gemeinsames Geniessen der leckeren Speisen an den Tischen und Gespräche gingen ineinander über, ein schöner, intensiver Abend, der noch lange nachwirken wird.

 

Ein spezieller Dank geht an Sabine Schneider und Rosmarie Graf bzw. die reformierte Kirchgemeinde Mattenbach. Sie stellten uns ihre toll ausgerüstete Küche, Tische und Stühle unentgeltlich zur Verfügung. Toby vom Holzlabor kam auf die wunderbare Idee, wir danken ihm herzlich.

 

Die Bilder von Büsra Nur und Cornelia Hausherr laden zu einer kleinen visuellen Reise in die Tischgespräche und das gemeinsame iranische Znacht ein.

Highlights

Highlights 2022

16. September 2022    

DepotFäscht – Podiumsgespräch und kulinarisches Kulturenbuffet

 

Das DepotFäscht war ein gelungener Anlass. Das vielfältige Programm entstand in gemeinsamer Organisation mit den anderen Betrieben und Ateliers, die im Busdepot werken und wirken, wie Holzlabor, Kanubau, Figuren Theater, Open Space, Holabox, Wiederverwerkle, Urhalle.

Unser Beitrag waren ein Podiumsgespräch und ein kulinarisches Kulturenbuffet.

 

Das Podiumsgespräch mit ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Deutschkurse, die es «geschafft» haben, beziehungsweise mit unermüdlichem Einsatz, langem Atem und zäh den Weg in eine Arbeit, eine Lehre, in ein Studium fanden, zog über 50 Interessierte an. Flüchtlinge, die noch auf dem Weg sind, Fachleute, allgemeines Publikum.

Vereinspräsidentin Constanze Schade moderierte das intensive, unter die Haut gehende Gespräch umsichtig und präsent. Die beiden Frauen und acht Männer erzählten lebhaft, spannend und aufschlussreich über ihre Biografie und ihre Wege in die Berufswelt. Der Funke sprang gleich über. Das Publikumsinteresse war so gross, dass die Fragen und Diskussionen weit über das geplante Zeitfenster hinaus liefen und sich mit dem Länderbuffet kreuzten. Das Publikum konnte sich direkt darüber informieren, welche Hürden es gibt, wie solche überwunden werden können, welche Stärken es braucht, wo es Unterstützung gibt, welche Rechte Flüchtlinge haben oder wie Firmen Flüchtlinge einstellen können.

 

Für das kulinarische Kulturenbuffet kochten Teilnehmende unserer Deutschkurse jeweils zehn bis dreissig Portionen. Das Buffet war ein verführerisches Augenfest mit Vorspeisen, Hauptspeisen, Desserts. Die klingenden Namen und die Düfte zogen zahlreiche Besucherinnen und Besucher an, sodass sich eine lange Schlange quer durch die Halle des Holzlabors bildete. Die Gäste kosteten unter anderem Kisir und Pogca aus der Türkei, Momos aus dem Tibet, Polo Adas aus dem Iran, Kabuli aus Afghanistan oder Domada aus Gambia. Es kam zu vielen kleinen Gesprächen mit den Köchinnen und Köchen, von denen viele ihr Gericht selber auf die Gästeteller schöpften, erzählten und Fragen beantworteten.

An den geschmückten Festbänken assen und redeten kunterbunte Gruppen miteinander.

Das Prix-libre-System funktionierte gut. Wir konnten nicht nur alle Unkosten decken, sondern auch noch mehrere hundert Franken auf unser Spendenkonto einzahlen. Vielen Dank an alle.

 

Ein spezieller Dank geht an das Holzlabor, das grosszügig ihre Halle mit uns teilte und uns Stühle, Bänke, Tische, ihre Küche und das Sitzungszimmer, Tischtücher und das Geschirr zur Verfügung stellte.

 

Nicole Huber hat das Podiumsgespräch und das Länderbuffet atmosphärisch eingefangen, siehe Fotogalerie.

15. Juni 2022    

Wir haben einen Traum – Film und Podiumsgespräch

 

Bei schönstem Sommerwetter trudelte am 15. Juni 2022 ein bunt gemischtes Publikum auf dem Lagerplatz in Winterthur ein. Aktuelle und ehemalige Teilnehmende von Deutschintensiv Solinetz Winterthur, Angehörige, Protagonist:innen des Films, die Filmemacher und Podiumsteilnehmerinnen, Unterrichtende, Vereinsmitglieder und Interessierte.

Schon vor dem Film herrschte reges Treiben, Kinder sprangen umher, hier und dort ein Lachen, Gespräche, Wiedersehensfreude. Im Kino Cameo waren dann alle Plätze besetzt.

 

Präsidentin Constanze Schade stellte unseren Verein und seine Arbeit vor, sprach eindringlich über die Situation der Geflüchteten und führte in den Film ein.

 

Der Kurzfilm «Wir haben einen Traum» dokumentiert den Anlass «Geflüchtete haben das Wort» vom 18. September 2021 in Zürich. Die Dokumentation zeigt das Engagement, den grossen Willen und die Unermüdlichkeit der Protagonisten, sich zu bilden, zu arbeiten und Teil unserer Gesellschaft zu sein. Sie beginnt mit einer langen Reihe von Flüchtlingen − Erwachsene, Kinder, Jugendliche –, die nur das Nötigste auf sich tragen. Das geht unter die Haut. Dann folgt der Film den beiden Workshops, an denen Geflüchtete mit Freiwilligen ihre Texte erarbeitet haben. Ein Mann kommentiert mit Schmunzeln eine komplizierte Eigenheit der deutschen Sprache: Ich habe gehört, im Deutschen kann man zehn Wörter zusammensetzen, weisst du, und da kriegt man so einen Begriff oder ein Wort, zum Beispiel Stipendiumserleichterung oder Zentralbibliothek, und dann mischt man die Wörter und kriegt einen neuen Begriff. Die Geflüchteten schlüpfen im Workshop auch in ihre Traumrolle: Hallo, ich bin heute für euch da: Wie ihr wisst, bin ich die meistgenannte Autorin der Welt. Wenn ihr ein Autogramm wollt, könnt ihr eins haben. Hallo Leute, ich habe zehn Kinder, ich bin eine starke Frau! Ich arbeite bei Google und Facebook, wenn Sie Fragen haben, ich kann sie lösen. Humorvoll präsentiert und schmerzlich zugleich. Mittelpunkt des Films sind die unglaublich beeindruckenden Reden der siebzehn Protagonist:innen, die auf dem Hirschenplatz in Zürich aufgetreten sind. Der Moderator hat sie so angekündigt: Wir haben ein paar Leute hier. Sie möchten ihre Geschichte mit uns teilen, ich kann euch nur bestätigen, sie sind die mutigsten Leute!

Zu sehen ist der Film hier

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Anschliessend an die Filmvorführung führte Markus Egli ein Gespräch mit dem Filmemacherpaar Heidi Schmid und Christian Labhart. Sie hatten den Film realisiert, um auf das Schicksal von Geflüchteten aufmerksam zu machen, aufzurütteln und eine öffentliche und politische Diskussion anzustossen.

 

Die nachfolgende Podiumsrunde war ganz in Frauenhand mit der im Film aufgetretenen Merve mit B-Ausweis und Sara mit F-Status, mit Tenzin, Sans-Papier aus dem Tibet, EVP-Kantonsrätin Barbara Günthard Fitze und Branka Kupresak von der SP. Sie legten dar, wie elementar deutsche Sprachkenntnisse sind, wie die kostenlosen Kurse von Deutschintensiv Solinetz Winterthur ein wertvolles Stück Integrationsarbeit leisten, und wie oft es dennoch beim Zugang zu Bildung, zu einer Ausbildung, für eine Arbeit hapert. Eine wichtige, vielen unbekannte Aussage lieferte Barbara Günthart Fitze: Man kann und darf Menschen mit F-Status anstellen. Darauf wollen wir Firmen verstärkt hinweisen.

 

Den fulminanten Schlusspunkt setzte Pascal Honla. Er lebt seit vier Jahren in der Schweiz, er hat immer noch N-Status, und er hat bereits ein Buch (Das Labyrinth) auf Deutsch geschrieben, siehe hier. Der Mann mit dem ansteckenden Lachen sagte: Ich kämpfe immer weiter, ich gebe niemals auf. Kämpft immer weiter, es wird gut, gebt niemals auf!

 

Nach der Filmvorstellung zeigten sich zahlreiche Besucher:innen tief beeindruckt vom Schicksal der Geflüchteten, die trotz dem grössten Wunsch und der höchsten Motivation zu lernen, sich auszubilden, eine Arbeit zu finden, ihr Leben selbst zu gestalten und unabhängig von der Sozialhilfe zu werden, doch auf so viel Widerstand in der Schweiz stossen. Viele zeigten sich beschämt ob der Schweizer Asylpolitik, die Sans Papiers, zum Beispiel aus dem Tibet, nichts anderes zu sagen hat als, «verlass möglichst schnell dieses Land», und das auch dann, wenn sie schon zehn Jahre in der Schweiz leben und sich trotz aller Hindernisse bestens integriert haben.

 

Doch schliesslich überwog unter den Besucher:innen des Anlasses doch die Aufbruchstimmung, die Pascal Honla mit seinem Aufruf, immer weiterzukämpfen, verbreitet hatte. Geflüchtete, Politikerinnen, Kursteilnehmerinnen, Unterrichtende von Deutschintensiv Solinetz Winterthur und alle anderen Besucher:innen der Filmpremiere vermischten sich, diskutierten miteinander und genossen den Apéro von Valérie Schindler Palden vom Grand Café du Musée im Gewerbemuseum Winterthur. Bis der Mond schon hoch am Himmel stand.

 

Ursula Markus hat den Anlass mit starken Bildern eingefangen, siehe Fotogalerie.

 

PS: Am 25. Juni ist im «Landbote» ein ganzseitiger Artikel zu unserer Arbeit und zum Filmanlass mit Podiumsgespräch erschienen.

 

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